In seiner Kulturgeschichte der Neuzeit schrieb der österreichische Historiker Egon Friedell, dass Gesundheit eine Erkrankung des Stoffwechsels sei. Die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod ließe sich demnach als Zustand dauerhafter Krankheit definieren.
Der alljährlich wachsende Verbrauch von Pharma-Produkten scheint dem Mann Recht zu geben. Wenn Krankheit unser Leben derart bestimmt, wen wundert es dann, dass wir uns zumindest in bestimmten Lebensphasen mit nichts anderem außer unserem eigenen Wohlergehen zu beschäftigen scheinen. Der griechische Philosoph Heraklit behauptete: „Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen, das Böse den Wert des Guten. Hunger die Sättigung, Ermüdung den Wert der Ruhe.” Viele kluge Köpfe nach ihm waren und sind überzeugt davon, dass der Mensch das Neandertal und die Höhle seiner Urahnen nur deshalb verlassen hat, um eine Medizin für seine kranken Knochen aufzutreiben. Wer hat nicht schon im Freundeskreis oder durch eine persönliche Krankheit erlebt, dass man auf einmal Antworten auf Fragen sucht, die man ohne diese oder jene Krankheit nie gestellt hätte. Die Beschäftigung mit der Krankheit hat also unseren Höhleneingang zumindest vergrößert, unseren Horizont erweitert.
Doch wie gehen wir nun mit unserem lebenslangen Siechtum um? Sind wir alle Hypochonder, unfähig, die unterschiedliche Schwere unserer Krankheit zu ermessen? Fühlen wir uns krank, nur, weil uns jemand die entsprechende Diagnose stellt? Gibt es gar Krankheiten, die diejenigen, die uns Heilung verkaufen, nur zu diesem Zweck “erfunden” haben? Was ist mit Kopfschmerzen, mit Hexenschuss, mit sogenannten psychosomatischen Erkrankungen? Sind wir eine Nation von Diabetikern, Neurodermitis-Kranken, Asthmatikern? Fühlen wir uns deshalb so elend, weil uns das Bild und die Symptomatik des Erkrankten so erfolgreich von der Werbung vermittelt wurden? Oder kann solche provokanten Fragen nur derjenige stellen, an dem der Kelch jeder Krankheit bislang vorüber ging?
Sind wir blind in unserem Streben nach diesem nie erreichbaren Gut: der Gesundheit? Haben wir uns freiwillig zum Sklaven unserer Sehnsüchte gemacht, und darüber den Blick für Wahrheit und Wirklichkeit verloren; vergessen, dass eine Sucht (auch eine Sehnsucht) nicht unbedingt glücklich oder gesund macht? Erwirbt der Mensch mit seiner Geburt ein “Menschenrecht” auf Glück und Gesundheit?
Die Art, in der unsere moderne Gesellschaft das Glück, die Gesundheit und die damit unmittelbar verbundene Jugend zum Götzen erhebt, scheint das zu suggerieren. Es sei denn, unsere Neigung zur Bequemlichkeit, unser mangelhafter Antrieb zur Erkenntnissuche, unsere Vorliebe für künstliche Umgebungen auf Kosten der natürlichen sind Symptome einer weiteren schrecklichen Krankheit (deren Heilung uns letztendlich befähigt, unsere Hochhaushöhlen zu verlassen, um uns in bislang ungeahnte Höhen emporzuschwingen) – einer Krankheit namens Wohlstand und namens Überfluss.
Glück, Freiheit, Zufriedenheit, Frieden, das sind neben der Gesundheit die meist genannten Ziele, die anzustreben den Sinn unseres Daseins ausmachen. Leider verwechseln wir allzu oft materielle Sicherheit mit Glück, von Medien und Werbung gesteuerte Konsumzwänge mit Freiheit und Zufriedenheit, sowie die künstliche Errichtung von Grenzen mit Frieden.
Was verwechseln wir mit Gesundheit? Ist es die Verlockung der Pharmaindustrie, die uns eine Pille oder ein Pulver für jedes Symptom anbietet? Oder ist es unser falsches, weil eingeschränktes Verständnis vom eigenen Wesen? Der Mensch ist nun einmal keine Maschine, kein mechanisches Gerät, dessen Einzelteile lediglich ein paar Tropfen Öls zur besseren Schmierung bedürfen. Ersatzteile können defekte Teile ersetzen. Mehr können sie nicht. Die Stammzellenforschung verspricht uns eines Tages das Ersatzteillager aus körpereigenen Zellen. Aber noch ist der Mensch mehr als ein Rechenschieber. Würden Sie Ihre Gesundheit einem Lageristen oder Spediteur anvertrauen? Noch ist unsere Funktionsweise komplexer als die eines Computers. Keyboard, Bildschirm, Speicher und Programme alleine reichen nicht, uns lebendig zu erhalten. Noch immer ist unsere Entstehung ein ungelöstes Rätsel. Wir wissen, wie Ei und Same verschmelzen. Aber was die Einzelteilen mit Bewusstsein und mit Leben beseelt, das wissen wir nicht. Und die Gene werden es uns nicht verraten. Zum Glück auch nicht die Pharmaindustrie.
Der Mensch braucht Nichtfassbares wie Seele, Gesundheit und Liebe für seine Existenz. Und dennoch gehen wir meist mit uns um, als seien wir Maschinen, die gewartet werden müssen oder Computer, die ständig verbesserte Software brauchen. Etwas Unbegreifliches (wie Liebe, Seele, Gesundheit) nicht begreifen, also nicht berühren, nicht anfassen zu können, bedeutet nicht, dass wir nicht trotzdem versuchen müssen, es zu verstehen. Unser bruchstückhaftes Verständnis von uns selbst ist schuld an unserer Misere. Deshalb verwechseln wir Gesundheit mit maschinenmäßigen Abläufen, und deshalb verwechseln wir Krankheit mit dem Auftreten von Symptomen.
Stellen Sie sich vor, in Ihrem Haus ist ein Feuer ausgebrochen. Die Alarmglocke schrillt los, der Lärm ist unerträglich. Sie rufen die Feuerwehr, die bald schon eintrifft. Aber zu Ihrem Erstaunen stürmen die Feuerwehrleute mit ihren Äxten herein, kappen die Kabel zum Feueralarm und bringen das Glockengeschrille zum Schweigen. Vielleicht drückt man Ihnen noch freundlich die Hand, sagt: “Schön, dass der schreckliche Lärm aufgehört hat”, und verschreibt Ihnen eine kleine Axt, um künftiges Alarmgeläute selbst abzustellen. Doch dann verschwinden die freundlichen Helfer in der Nacht und lassen Sie mit dem tobenden Feuer und der kleinen Axt zurück.
Wenn der geschilderte Fall Ihr Haus beträfe, wären Sie doch schockiert, oder? Mit uns selbst verfahren wir aber oft auf diese unzureichende Weise.
Wir finden es normal, nur die Symptome einer Krankheit zu behandeln, statt der Wurzel, die sie verursacht. Kopfschmerzen bekämpfen wir mit Schmerztabletten, ohne uns Gedanken zu machen, ob der Schmerz nicht ein Alarmsignal ist, das uns warnen soll, dass etwas in uns nicht in Ordnung ist. Einzig die Symptome einer Krankheit zu unterdrücken, ohne die Ursache festzustellen und zu behandeln, ist genauso dumm, wie den Feueralarm abzuschalten, ohne das Feuer zu löschen. Verantwortlich für diese Dummheit sind wir alle. Wir können nicht den Ärzten oder der Pharmaindustrie zur Last legen, dass wir selbst sofortige Linderung und schnelle Lösungen für die Unterdrückung unserer Symptome verlangen.
Wir können allerdings die Anstrengung unternehmen, uns selber besser zu verstehen. Die pädagogische Dimension von Gesundheit, Erkrankung, Genesung und Therapie rückt zusehends in den Fokus des öffentlichen Bewusstseins. Der einzelne Mensch scheint mehr denn je bereit, für sich selbst und sein individuelles Wohlergehen Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich die Zügel wieder selbst in die Hand nehme, dann bedeutet das, dass ich anfange mich über jeden Aspekt meiner Gesundheit und meiner Krankheit zu informieren. Ich will nicht länger durch eine Diagnose und die verordnete Therapie über mich und meinen Weg entscheiden lassen. Ich will mich bemühen, weil ich selbst, wie kein anderer, in der Lage bin, mich und die Geschichte meiner Erkrankung zu verstehen. Da liegt die Lösung: Wir müssen uns um unsere Gesundheit bemühen, uns mehr Mühe als bisher machen. Pillen zu schlucken, ist vergleichsweise einfach.
Seit Jahren wird die Zahl derjenigen, die sich Mühe geben wollen, größer. Immer mehr Menschen sind bereit, sich auf sich selbst zu besinnen, an sich selbst zu lernen, der eigenen Wesenheit mehr zu vertrauen, die Geduld für sanfte Heilungsprozesse aufzubringen. Und es gibt immer mehr Menschen, die ihnen dabei zur Seite stehen, Anleitung geben, Wissen vermitteln, Alternativen und Möglichkeiten anbieten. Von diesen Menschen und ihrer Arbeit wird diese Kolumne berichten.
Die Vielfalt der Möglichkeiten, die es innerhalb des breiten Spektrums an Heilmethoden (von A – Z, z.B.: Alexandertechnik, Ayurveda, Bachblütentherapie, Geistheilen, Klinische Hypnose, Orgonbestrahlung, Zirkadiane Rhythmen, etc.) im Schleswiger Land gibt, sollen aufgezeigt werden. Es werden Menschen vorgestellt, die uns einen Teil unserer Bemühungen abnehmen, die uns Hilfestellung geben können. Begriffe von werden erklärt.
Wer sich bemüht, wird erstaunt sein, wie zahlreich die Wege zur Gesundheit sein können und vielleicht erkennen, dass Krankheit mehr ist als nur ein Alarmsignal, wie Gesundheit mehr ist als nur eine Erkrankung des Stoffwechsels – nämlich der Schlüssel zum Verständnis unseres Seins.
“In alten Zeiten wurde ein jeder Mensch als von Natur aus krank angesehen – und Erziehung als das Mittel, ihn zu heilen”, schrieb der Philosoph und Pädagoge Rudolf Steiner.
Der Mensch muss sich selbst erkennen und begreifen lernen. Dann wird er die Verantwortung für seine Gesundheit nicht länger in fremde Hände legen oder gar auf die Chemie beschränken. Die eigene Genesung beginnt dort, wo wir zu suchen beginnen. Als Orientierungshilfe diene Ihnen: Die Krankheit Gesundheit.

